Kleinmölsener Brückengeschichten (Teil I)

Im Ort sind drei Brücken neu gebaut worden

Am 9. September wird mit einem „Brückenfest“ die Fertigstellung von drei Brückenbauwerken im Ort begangen. Mit dem Abriss der alten Kleinen Eselsbrücke im Februar hatte die Bauphase begonnen, an deren Ende nun drei komplett und von Grund auf neu gebaute Brücken stehen. Sie sind nicht nur ein attraktiver, zeitgemäßer Ersatz für die verschlissenen Vorgängerbauten, sondern sie stellen bei Hochwasser auch keine Hindernisse für das Wasser mehr dar. Das war die Voraussetzung für die hohe Fördersumme im Rahmen des Hochwasserprogramms, die Kleinmölsen nun zugute kam.

Die Brauhausbrücke (ursprünglich „Bachsteg“)

Hinter dem Feuerwehr-Gerätehaus, das ursprünglich das Brauhaus des Ortes war, überspannt die Brauhausbrücke den Mühlgraben. Sie verbindet hier den Ort mit dem sogenannten Gänse-Anger und dem Bürgermeister-Biener-Berg. Die neue Rundbogenbrücke ist zwar etwas größer als ihre Vorgängerin, wurde dieser aber nachempfunden und bildet dadurch ein ganz besonderes Kleinod im Ortsbild. Die Natursteine der alten Brücke wurden beim Neubau wieder verwendet; freilich aus bautechnischen Gründen um viele weitere ergänzt.

Es war ein Zufall, dass die bisherige Brücke bis zu ihrer Abtragung im Februar 2017 genau 185 Jahre alt werden durfte. Sie ist 1832 erbaut worden und ersetzte seinerzeit als erste Steinbrücke einen einfachen Holzsteg, der den Linderbach – nicht den Mühlgraben! – überquerte. Das hat seinen Grund darin, dass der Linderbach ursprünglich durch den Ort verlief und erst vor knapp 150 Jahren seinen heutigen, künstlich geschaffenen Verlauf südlich der Ortslage erhielt. Bis dahin verlief der Linderbach im Bett des heutigen Mühlgrabens am seinerzeitigen südlichen Ortsrand entlang von Mühle, Gang und Gänseanger. Wenn unsere Kleinmölsener Vorfahren diese Brücke meinten, sprachen sie deshalb vom „Bachsteg“ bzw. der „Bachstegs-Brücke“. Die Gemeinderechnung von 1832 listet die „Bau- und Reparaturkosten an der Brücke am Linderbach” in Höhe von 37 Talern 3 Groschen 11 Pfennige detailliert auf und deutet zugleich an, dass hier schon vorher eine Brücke existiert haben muss.

Am 2. Juli hatte der Gemeindevorstand die Zustimmung des Großherzoglichen Justizamtes Vieselbach (als Verwaltungs- und Genehmigungsbehörde) zum Brückenbau eingeholt. Die Steine kaufte die Gemeinde bei Johann Heinrich Tränckler und Georg Feistkorn in Ollendorf, wo Steinbrüche bestanden. Nach Kleinmölsen transportiert wurden sie von Kleinmölsener Anspännern, denen vom Heimbürgen (Bürgermeister) Johann Nicolaus Schaubs für diese Mühe 13 Groschen und 8 Pfennige für Bier aus der Gemeindekasse bewilligt wurden. Sechs Klammern und drei Stecheisen steuerte der Kleinmölsener Schmied Balthasar Frischmuth bei, das hölzerne Grundgerüst der Wölbung schuf der Zimmermann Gottlieb Meißner. Dafür bezog man zwei Baumstämme aus dem Willrodaer Forst. Für die Maurerarbeiten und die Pfeiler  hatte der Vieselbacher Maurer Andreas Schmidt bereits im Juni den Zuschlag erhalten. Spätere Ausbesserungen an der Brücke sind immer wieder belegt. Bemerkenswert ist, dass 1891 – anlässlich der Anfertigung eines neuen Geländers durch den Schmied Heinrich Händel – nicht mehr der alte Name der Brücke gebraucht wird, sondern inzwischen von der „Brauhausbrücke” die Rede ist.

Die Kleine Eselsbrücke

Wer sich zu Fuß nach Großmölsen begibt, kann über die Kleine Eselsbrücke ein gutes Stück Straße abkürzen. Bevor der Linderbach künstlich außerhalb um den Ort herum geführt wurde, was zwischen 1866 und 1868 geschah, konnte es die Brücke also gar nicht geben. Möglicherweise entstand sie erstmals schon mit dem neuen Flusslauf, denn im Februar 1869 wurde die Herstellung eines neuen Steges über den Linderbach „im Kleinmölsen-Großmölsener Communicationswege“ diskutiert. Dabei kann es sich nur um diese Brücke handeln. Ihr Bau sollte auf Kosten der Grundstücksbesitzer erfolgen, wogegen sich natürlich Widerstand regte.

Erstmals ist die Brücke dann auf der 1877 abgeschlossenen Flurkarte zur Separation eingezeichnet. Hier ist auch der Flurname „an der Eselsbrücke“ eingetragen, der aber deutlich älter als die hier stehende Brücke ist und sich auf die eigentliche „Eselsbrücke“ zwischen Klein- und Großmölsen bezieht.

Im Laufe der Zeit verschliss die Brücke, und im August 1970 legte der um Kleinmölsen so verdiente Bauingenieur Armin Hänsel eine Projektierung: „Umbau Eiserne Brücke“ vor, die sich heute in der Heimatstube befindet. Die Ausführung geschah dann weitgehend in Eigenleistung der Gemeinde; Werner Landgraf half bei der Materialbeschaffung. Armin Hänsel sind auch mehrere Fotos zu verdanken, die Wieland Höpfner (1953-1971), Werner Landgraf (1934-2000) und Dieter Treppschuh 1971 bei der Arbeit am Brückenbelag (50 mm starker Estrich) zeigen. 45 Jahre später waren die Schäden sowohl am Beton als auch an den Metallteilen unübersehbar und machten 2016 eine Sperrung der Brücke nötig. Am 15. Februar 2017 erfolgte ihr Abriss, wobei die freigelegten Stahlträger schon beim bloßén Anheben zerbrachen. Das zeigte in erschreckender Weise, wie marode die Brücke zuletzt war.

Die Rodeland-Brücke

Wo der Mühlgraben am äußersten östlichen Ortsrand auf das Ende der Angergasse trifft, ist die zweite Brücke über den Mühlgraben neu erstanden. Dessen Wasser war hier bisher von einer Betonröhre DN 1000 eingezwängt, bevor es zwischen den Fluren „Rodeland“ und „Unter den roten Weiden“ leicht geschwungen der Einmündung in die Gramme zwischen Klein- und Großmölsen zustrebte. Die Brücke, die bisher unauffällig und namenlos war, ist die jüngste der Brücken des Ortes. Ihr Bau erfolgte erst Anfang der 1970-er Jahre durch die KAP Kerspleben, um die Zuwegung der Landmaschinen ins Rodeland (die dreieck-förmige Flur zwischen Ort, Linderbach, Gramme und Mühlgraben / „Wedemanns Spitze“) zu optimieren. Die Röhre war bedeckt von einem Packlager aus zuletzt sichtbar verrutschten Werksteinen und Schutt. Eine Wasserkanne und Emaillegeschirr wurde neben anderen zerstörten Utensilien im Abraum gefunden. (Fortsetzung folgt)

Frank Störzner

(Käthe und Erhardt Graf sowie Armin Hänsel sind wertvolle Hinweise zu verdanken)

ORTSPLAN 1902

Der „Bachsteg“ (die Brauhausbrücke) über den „Mühlbach“ zwischen Brauhaus und „Gemeinde-Obstanlagen“. Plan der Brauhausstraße (Ausschnitt), 1902.

BRUECKEN-04

Werner Landgraf beim Neubau der Kleinen Eselsbrücke, 1971.

BRUECKEN-05

Wieland Höpfner, Dieter Treppschuh und Werner Landgraf beim Neubau der Kleinen Eselsbrücke, 1971.

BRUECKEN-07

Anlieferung und Aufsetzen der neuen Kleinen Eselsbrücke, 20. Juli 2017.

Foto/Repro: Frank Störzner