Kleinmölsener Wasserversorgung

Wasser ist Leben

Aus der Geschichte der Trinkwasserversorgung von Kleinmölsen (Teil l)

Die Versorgung mit Trinkwasser ist eine wesentliche Aufgabe der kom­munalen Daseinsvorsorge. In den städtischen Ballungszentren wurde sie bereits um 1900 als Selbstverständlichkeit der modernen Zeit angesehen, während es im dörflichen Bereich oft bis an die Schwelle zur Gegenwart dauerte, bevor alle Häuser mit sauberem Trinkwasser versorgt werden konnten. Auch in Kleinmölsen war es ein langer Weg dahin, und ohne die Tatkraft und Beharrlichkeit seiner Bewohner vor nunmehr 23 Jahren hät­te es noch länger gedauert. Dass für diese Eigeninitiative jetzt nachträg­lich horrende “Anschlussgebühren“ von einer erst seit kurzem existieren­den Behörde eingefordert werden, ist eine soziale Ungerechtigkeit, die in einem der Demokratie verpflichteten Rechtsstaat eigentlich undenkbar sein sollte. Auch aus diesem Grund lohnt sich eine Rückschau, wie sich die Wasserversorgung in Kleinmölsen von ihren Anfängen heraus bis zur Ge­genwart entwickelt hat.

Die Anfänge

Die hydrologischen Verhältnisse haben es den Kleinmölsenern zu keiner Zeit leicht gemacht. Schwerer, nur wenig wasserdurchlässiger Auelehm-Untergrund und sowohl bakteriell als auch chemisch belastetes, salpeter-haltiges, “angreifendes“ Grundwasser ließ aus den Brunnen kein unbe­denklich genießbares Trinkwasser gewinnen. In der Frühzeit des Ortes hatte jedes Gehöft seinen eigenen Brunnen, und darüber hinaus gab es öf­fentliche, von jedermann zusätzlich benutzbare Brunnen, deren Pflege der Gemeinde oblag. Es sind dieselben Brunnen, die heute noch vor der Schu­le (Kirchplatz 28) und vor dem Backhaus (heute Bürgerhaus) existieren: er-sterer ist der sog. “Kirchborn“ (später: Schulbrunnen), der andere der “Ge-meindeborn“. Erwähnt werden sie erstmals in den Gemeinderechnungen von 1717 bzw. 1726, als sie für 5 bzw. 6 Groschen “gefeget“, d. h. ge­säubert wurden. 1729 gab die Gemeinde 1 Groschen aus, um das “Gestelle am Kirchbrunn“ auszubessern, 1739 zwei Groschen “vor einen Haken an den Gemeinen Brunnen“. Derartige kurze Hinweise finden sich in den Aus­gabenteilen der Gemeinderechnungen immer wieder.

Der Kochbrunnen

Dieses in der Ortslage geschöpfte Wasser ist allerdings gesundheitlich nicht unbedenklich gewesen; von heutigen Anforderungen ganz zu schwei­gen. Eine merkliche Verbesserung trat erst 1904 ein, als in einer Kies­grube etwa 150 m südlich der Kreuzung eine Quelle entdeckt wurde, de­ren Wasser deutlich sauberer war als das der Brunnen in der Ortslage und sogar ohne Abkochen genutzt werden konnte. “Möge der schöne Quell nie wieder versiechen, sondern ungezählte Kinder und Kindeskinder mit köstlichem Wasser versorgen“, schrieb begeistert der Chronist, der die Quelle als “Wohltat für unsern Ort“ bezeichnete. Und er irrte nicht – fast acht Jahrzehnte, bis 1980 (!), sollte das seinerzeit entdeckte Wasservor­kommen die einzige Möglichkeit zum Bezug von Trinkwasser in Klein­mölsen bleiben!

Die Trinkwassersituation Kleinmölsens kam 1911 wieder ins Gespräch, als die Quelle durch die große Trockenheit fast versiegte. Unmittelbar ne­ben der Quelle sollte “auf Wunsch vieler Ortsbürger“ ein tieferer Brunnen geschachtet werden; den Zuschlag dafür erhielt ein Oswald Vogler aus Kerspleben, der mit seinem Gebot von 32,25 Mark deutlich unter dem Vie-selbacher Mitbewerber lag. Dieser Brunnen, der sog. “Kochbrunnen“, be-findet sich 20 m südlich der ehemaligen Kiesgrube und ist – wie auch das Loch der Kiesgrube mit der Quelle – im Gelände noch heute gut sichtbar.

Großmölsen hat eine Wasserleitung – und Kleinmölsen?

1912 begann Großmölsen mit dem Bau einer Wasserleitung (mit Haus­wasserversorgung), die seinerzeit die modernste in der ganzen Umge­bung war. Dazu entstand auf der Höhe der “Schanze“ ein Hochbehälter, der vom Wasser des 1 km entfernten Triftborn nördlich des Ortes gespeist wurde. Das Pumpen des Wassers von dort zum Hochbehälter erfolgte mit Hilfe einer 1913 erbauten Windturbine, die bis 1953 in Betrieb war und deren Fundamentreste noch heute vorhanden sind. Ein anonymer Artikel in der Weimarischen Zeitung im September 1913 lässt auf neidvolle Blicke aus Kleinmölsen schließen:

“Hierorts macht sich das Fehlen einer guten Wasserleitung recht unan­genehm fühlbar. Die Ortsbrunnen bergen stark salpeterhaltiges Wasser, das nur zum Waschen und zum Tränken des Viehbestandes verwendet wer­den kann. Das Wasser zum Kochen entnehmen wir einem im Felde nach Vieselbach zu angelegten Brunnen, dessen Wasser ganz vorzüglich ist…. Das Herbeischaffen des Wassers zu den Hofraiten ist eben so umständ­lich wie zeitraubend.“

Zudem hatte der Landbaumeister Rebling am 12. Dezember 1913 die Wasserleitung von Großmölsen überprüft. Das Ergebnis fiel so günstig aus, dass er den Anschluss weiterer Gemeinden an den Großmölsener Hochbehälter empfahl. Die kommunale Aufsichtsbehörde verlangte dar­aufhin am 16. Dezember vom Gemeindevorstand Kleinmölsen eine ent­sprechende Stellungnahme. Der Gemeinderat und Bürgermeister Karl Focke traten am 3.1.1914 zusammen und trafen eine kurzsichtige und für den Ort auf Jahrzehnte nachteilige Entscheidung: die einstimmige Ableh­nung des Vorschlages. “Was brauchen wir eine so teuere Wasserleitung?“, meinte der damalige Gemeinderat. Die Entscheidung erscheint aus heu­tiger Sicht umso unverständlicher, als Bürgermeister Karl Focke – Amtszeit 1885 – 1921 – ein tüchtiger Praktiker war, der im Ort vieles anpackte und auf den Weg brachte.

Also blieb den Kleinmölsenern nur der tägliche Gang zum Kochbrunnen, meist von den Frauen oder den Kindern und Alten erledigt, um das Was­ser zur Nahrungszubereitung in Bottichen heranzuschaffen – ein Zustand, der noch bis tief in die DDR-Zeit hineinreichen sollte. (Fortsetzung folgt)

 

Frank Störzner, Kleinmölsen

05.02.2003

Auszug aus dem Amtsblatt der Verwaltungsgemeinschaft

GRAMME-AUE 20.02.2003