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der Gemeinde Kleinmölsen

„Ich trage Kleinmölsen im Herzen und kann nicht anders“
Kleinmölsen trauert um seine langjährige Altbürgermeisterin Hedwig Biener


Der große Weidenbogen an der Straßenkreuzung war wieder mit dem herbstlichen Motiv hergerichtet, das Sauerkraut beim gleichnamigen Fest im Oktober frisch gestampft. Hedwig Biener, im Ort und in der Familie immer kurz „Hedi“ genannt, war – natürlich – wieder mit Elan und Herzblut dabei. Niemand ahnte, wie schlecht es um ihre Gesundheit wirklich bestellt war. Am 17. November ist sie nach kurzem Hospiz-Aufenthalt im Alter von fast 84 Jahren verstorben.


In dankbarer Erinnerung bleibt eine engagierte, agile Frau, die genau 30 Jahre lang und über zwei Gesellschaftssysteme hinweg „ihrem“ Dorf als Bürgermeisterin mit Leidenschaft und Weitblick vorstand. „Ich trage Kleinmölsen im Herzen und kann nicht anders“, sagte sie schmunzelnd bei ihrer Verabschiedung in den Ruhestand im Juli 1999. Da galt sie als dienstälteste Bürgermeisterin in Thüringen, denn auch über die Wendezeit hinweg genoss Hedi das Vertrauen der Einwohner, die sie 1994 mit überwältigender Mehrheit (91,4%) im Amt bestätigt hatten. Zu dieser Zeit entstand unter ihrer Verantwortung gerade das Neubaugebiet mit all’ den Problemen, die eine solche Baumaßnahme mit sich bringt. Bei Hedi liefen die Fäden zusammen. Dagegen erschienen die früheren Projekte der Gemeinde wie der Gaststätten-Umbau (1973/74), der Wasserleitungsbau (1978/80) oder der innerörtliche Straßenbau (1983/85) als „Spielwiesen“, wie es Hedi einmal ausdrückte. Aber die dabei gemachten Erfahrungen kamen ihr nun zugute.


Im Sommer 1969 wurde Hedwig Krehan zur Bürgermeisterin von Kleinmölsen berufen. Bedenkzeit hatte die damals 32-Jährige nur drei Tage und eine Ablehnung hätte ihr auch nicht geschadet, denn den Meisterbrief für Feldbau hatte sie in der Tasche. Geprägt von der damals schweren Arbeit in der Landwirtschaft war Hedwig eine pragmatische „Anpackerin“ mit Ideen und Visionen, um das Dorf wohnlicher und den Alltag der Einwohner leichter zu machen. In Kleinmölsen, wo die 7-köpfige Familie nach der Vertreibung aus der nordböhmischen Heimat 1953 ein neues Zuhause gefunden hatte, wollte sie sich einbringen und etwas zum Besseren gestalten – hier und nirgendwo anders!

Mit ihrer einfühlsamen, aber beharrlichen und offen-ehrlichen Art stand sie ein für ihre Überzeugungen – bisweilen unbequem, aber stets geradeaus und sich nie in den Mittelpunkt drängend. Hedwig blieb immer glaubwürdig und unterzog die Entscheidungen auch ihrem christlichen Grundverständnis, das Richtschnur ihres Handelns war. Das half ihr auch, schwere persönliche Schicksalsschläge wie den Tod ihrer Schwester Gerlinde (1955), ihres einzigen Sohnes Frank (2005) und ihres Ehemannes Franz (2016) zu überstehen und ihren Weg weiter zu gehen.

Bis zuletzt war sie immer zur Stelle und wies niemanden ab, wenn ihr Rat und ihre Erfahrung gefragt waren. Ihr Wirken hat Spuren im Ort und bei seinen Bewohnern hinterlassen, die in unzähligen Erinnerungen fortleben. Und natürlich, gut sichtbar, im Weidenbogen, der vor genau 20 Jahren Hedis Idee war und dessen wechselnde, phantasiereiche Ausschmückung sie sich seitdem nicht nehmen ließ. Er erinnert nun an eine außergewöhnliche Kleinmölsener Persönlichkeit.


Frank Störzner

Nachruf Hedwig Biener