Im Ort sind drei Brücken neu gebaut worden

Am 9. September wird mit einem „Brückenfest“ die Fertigstellung von drei Brückenbauwerken im Ort begangen. Mit dem Abriss der alten Kleinen Eselsbrücke im Februar hatte die Bauphase begonnen, an deren Ende nun drei komplett und von Grund auf neu gebaute Brücken stehen. Sie sind nicht nur ein attraktiver, zeitgemäßer Ersatz für die verschlissenen Vorgängerbauten, sondern sie stellen bei Hochwasser auch keine Hindernisse für das Wasser mehr dar. Das war die Voraussetzung für die hohe Fördersumme im Rahmen des Hochwasserprogramms, die Kleinmölsen nun zugute kam.

Die Brauhausbrücke (ursprünglich „Bachsteg“)

Hinter dem Feuerwehr-Gerätehaus, das ursprünglich das Brauhaus des Ortes war, überspannt die Brauhausbrücke den Mühlgraben. Sie verbindet hier den Ort mit dem sogenannten Gänse-Anger und dem Bürgermeister-Biener-Berg. Die neue Rundbogenbrücke ist zwar etwas größer als ihre Vorgängerin, wurde dieser aber nachempfunden und bildet dadurch ein ganz besonderes Kleinod im Ortsbild. Die Natursteine der alten Brücke wurden beim Neubau wieder verwendet; freilich aus bautechnischen Gründen um viele weitere ergänzt.

Es war ein Zufall, dass die bisherige Brücke bis zu ihrer Abtragung im Februar 2017 genau 185 Jahre alt werden durfte. Sie ist 1832 erbaut worden und ersetzte seinerzeit als erste Steinbrücke einen einfachen Holzsteg, der den Linderbach – nicht den Mühlgraben! – überquerte. Das hat seinen Grund darin, dass der Linderbach ursprünglich durch den Ort verlief und erst vor knapp 150 Jahren seinen heutigen, künstlich geschaffenen Verlauf südlich der Ortslage erhielt. Bis dahin verlief der Linderbach im Bett des heutigen Mühlgrabens am seinerzeitigen südlichen Ortsrand entlang von Mühle, Gang und Gänseanger. Wenn unsere Kleinmölsener Vorfahren diese Brücke meinten, sprachen sie deshalb vom „Bachsteg“ bzw. der „Bachstegs-Brücke“. Die Gemeinderechnung von 1832 listet die „Bau- und Reparaturkosten an der Brücke am Linderbach” in Höhe von 37 Talern 3 Groschen 11 Pfennige detailliert auf und deutet zugleich an, dass hier schon vorher eine Brücke existiert haben muss.

Am 2. Juli hatte der Gemeindevorstand die Zustimmung des Großherzoglichen Justizamtes Vieselbach (als Verwaltungs- und Genehmigungsbehörde) zum Brückenbau eingeholt. Die Steine kaufte die Gemeinde bei Johann Heinrich Tränckler und Georg Feistkorn in Ollendorf, wo Steinbrüche bestanden. Nach Kleinmölsen transportiert wurden sie von Kleinmölsener Anspännern, denen vom Heimbürgen (Bürgermeister) Johann Nicolaus Schaubs für diese Mühe 13 Groschen und 8 Pfennige für Bier aus der Gemeindekasse bewilligt wurden. Sechs Klammern und drei Stecheisen steuerte der Kleinmölsener Schmied Balthasar Frischmuth bei, das hölzerne Grundgerüst der Wölbung schuf der Zimmermann Gottlieb Meißner. Dafür bezog man zwei Baumstämme aus dem Willrodaer Forst. Für die Maurerarbeiten und die Pfeiler  hatte der Vieselbacher Maurer Andreas Schmidt bereits im Juni den Zuschlag erhalten. Spätere Ausbesserungen an der Brücke sind immer wieder belegt. Bemerkenswert ist, dass 1891 – anlässlich der Anfertigung eines neuen Geländers durch den Schmied Heinrich Händel – nicht mehr der alte Name der Brücke gebraucht wird, sondern inzwischen von der „Brauhausbrücke” die Rede ist.

Die Kleine Eselsbrücke

Wer sich zu Fuß nach Großmölsen begibt, kann über die Kleine Eselsbrücke ein gutes Stück Straße abkürzen. Bevor der Linderbach künstlich außerhalb um den Ort herum geführt wurde, was zwischen 1866 und 1868 geschah, konnte es die Brücke also gar nicht geben. Möglicherweise entstand sie erstmals schon mit dem neuen Flusslauf, denn im Februar 1869 wurde die Herstellung eines neuen Steges über den Linderbach „im Kleinmölsen-Großmölsener Communicationswege“ diskutiert. Dabei kann es sich nur um diese Brücke handeln. Ihr Bau sollte auf Kosten der Grundstücksbesitzer erfolgen, wogegen sich natürlich Widerstand regte.

Erstmals ist die Brücke dann auf der 1877 abgeschlossenen Flurkarte zur Separation eingezeichnet. Hier ist auch der Flurname „an der Eselsbrücke“ eingetragen, der aber deutlich älter als die hier stehende Brücke ist und sich auf die eigentliche „Eselsbrücke“ zwischen Klein- und Großmölsen bezieht.

Im Laufe der Zeit verschliss die Brücke, und im August 1970 legte der um Kleinmölsen so verdiente Bauingenieur Armin Hänsel eine Projektierung: „Umbau Eiserne Brücke“ vor, die sich heute in der Heimatstube befindet. Die Ausführung geschah dann weitgehend in Eigenleistung der Gemeinde; Werner Landgraf half bei der Materialbeschaffung. Armin Hänsel sind auch mehrere Fotos zu verdanken, die Wieland Höpfner (1953-1971), Werner Landgraf (1934-2000) und Dieter Treppschuh 1971 bei der Arbeit am Brückenbelag (50 mm starker Estrich) zeigen. 45 Jahre später waren die Schäden sowohl am Beton als auch an den Metallteilen unübersehbar und machten 2016 eine Sperrung der Brücke nötig. Am 15. Februar 2017 erfolgte ihr Abriss, wobei die freigelegten Stahlträger schon beim bloßén Anheben zerbrachen. Das zeigte in erschreckender Weise, wie marode die Brücke zuletzt war.

Die Rodeland-Brücke

Wo der Mühlgraben am äußersten östlichen Ortsrand auf das Ende der Angergasse trifft, ist die zweite Brücke über den Mühlgraben neu erstanden. Dessen Wasser war hier bisher von einer Betonröhre DN 1000 eingezwängt, bevor es zwischen den Fluren „Rodeland“ und „Unter den roten Weiden“ leicht geschwungen der Einmündung in die Gramme zwischen Klein- und Großmölsen zustrebte. Die Brücke, die bisher unauffällig und namenlos war, ist die jüngste der Brücken des Ortes. Ihr Bau erfolgte erst Anfang der 1970-er Jahre durch die KAP Kerspleben, um die Zuwegung der Landmaschinen ins Rodeland (die dreieck-förmige Flur zwischen Ort, Linderbach, Gramme und Mühlgraben / „Wedemanns Spitze“) zu optimieren. Die Röhre war bedeckt von einem Packlager aus zuletzt sichtbar verrutschten Werksteinen und Schutt. Eine Wasserkanne und Emaillegeschirr wurde neben anderen zerstörten Utensilien im Abraum gefunden. (Fortsetzung folgt)

Frank Störzner

(Käthe und Erhardt Graf sowie Armin Hänsel sind wertvolle Hinweise zu verdanken)

ORTSPLAN 1902

Der „Bachsteg“ (die Brauhausbrücke) über den „Mühlbach“ zwischen Brauhaus und „Gemeinde-Obstanlagen“. Plan der Brauhausstraße (Ausschnitt), 1902.

BRUECKEN-04

Werner Landgraf beim Neubau der Kleinen Eselsbrücke, 1971.

BRUECKEN-05

Wieland Höpfner, Dieter Treppschuh und Werner Landgraf beim Neubau der Kleinen Eselsbrücke, 1971.

BRUECKEN-07

Anlieferung und Aufsetzen der neuen Kleinen Eselsbrücke, 20. Juli 2017.

Foto/Repro: Frank Störzner

Neue Erkenntnisse und Fotos vom Kriegsende 1945 im Dorf

Die bedrohliche Gefahr, in der sich Kleinmölsen noch am Tag seiner Befreiung befand, wird durch die neuen Forschungen und die dadurch bekannt gewordenen Text- und Bilddokumente erst richtig begreiflich. Nach dem aktuellen Kenntnisstand, der diese authentischen Quellen aus amerikanischen Archiven mit den Erinnerungsberichten aus dem Ort verknüpft, hatte sich unmittelbar nach dem Abzug der amerikanischen Aufklärungsgruppe ein kleiner deutscher Wehrmachtsverband im Ort festgesetzt. Vermutlich handelte es sich dabei um eine Panzergruppe, die am Vormittag schon in Stotternheim Widerstand leistete, aber zurück weichen musste und floh. Um die Mittagsstunde am 11. April 1945 herum näherten sich vermutlich diese Fahrzeuge von Nordwesten her über den Gottesrain dem Ort. Das Drama begann, als die Panzer aus dem Dorf heraus das Feuer auf die in dichter Folge auf der Straße von Töttleben her nach Osten vorstoßenden Hauptkräfte des CCB (Combat Command B / Kampfkommando B) der 4. US Armored Division (Panzerdivision) der Dritten US-Armee eröffnen – und das, nachdem Kleinmölsen nach der ersten, „stillen“ Besetzung eigentlich schon als feindfrei gemeldet worden war. In der zeitnah erfolgten Schilderung in der Ortschronik ist von „Verzweiflungsschüssen“ die Rede, die nach den Zeitzeugenberichten mindestens von einem Panzer in der Vieselbacher Straße – am damaligen nördlichen Ortsrand neben der Schmiede (Hausnummer 64) stehend – ausging. An eine militärische Wendung konnte zu diesem Zeitpunkt jedoch niemand mehr ernsthaft glauben. Aber noch immer wehrte sich das Dritte Reich gegen seinen Untergang und die Parolen vom „fanatischen Widerstand bis zum Endsieg“ (Victor Klemperer/LTI) zeitigten doch noch ihre Wirkung. Die Aktion war von Anfang an zum Scheitern verurteilt und brachte lediglich den Ort und seine Einwohner in höchste Gefahr.

Beschuss und zweite Besetzung von Kleinmölsen am 11. April 1945

Das CCB steht unter dem Kommando von Lieutenant Colonel [Oberst] und späterem 4-Sterne-General Creighton W. Abrams (1914-1974), der als Befehlshaber hinter den Ereignissen um Kleinmölsen steht. Der Verband soll den Vormarsch nach Osten an der Nordflanke der 4. Armored Division führen und rückt seit dem Morgen des 11. April aus dem Raum nördlich von Gotha auf Erfurt-Gispersleben und weiter über den Roten Berg in Richtung Kerspleben und weiter vor. Gegen 12.00 Uhr erreichte die Spitze der Hauptkräfte des CCB Ottstedt am Berge und war dorthin ohne Behinderungen dem Weg der Aufklärer von Kerspleben aus gefolgt. Ihr Befehl war ausdrücklich, ohne Halt bis zur Saale vorzustoßen; unterwegs erkannte Widerstandsnester waren dabei zu umgehen und der nachrückenden Infanterie zu melden und zu überlassen. Was dann passiert, schildert der Militärhistoriker Jürgen Möller aufgrund seiner tiefen Beschäftigung mit den Abläufen so:

„Zu dem Zeitpunkt, als die Spitze der Kolonne des CCB bereits Ottstedt am Berge erreicht hat, kommt es bei Kleinmölsen zu einem Zwischenfall. Aus Richtung des Ortes … wird zwischen 12.00 und 13.00 Uhr plötzlich auf die vorbeifahrende Kolonne gefeuert. Kurz darauf entdeckt ein Team der Vorgeschobenen Artilleriebeobachter des begleitenden 22nd Armored Field Artillery Battalion (Gepanzertes Feld-Artillerie-Bataillon) in Kleinmölsen deutsche Geschütze. … Dann meldet ein herbeigerufener Artillerieluftbeobachter weitere deutsche Panzer in der unmittelbaren Umgebung. Angesichts dieser Bedrohung in der offenen Flanke des CCB und der Gefahr eines Gegenangriffs geht sofort der Befehl an Lieutenant Colonel Arthur C. Peterson, den Commanding Officer des 22nd Armored Field Artillery Battalion, die Panzer im Ort unter Beschuss zu nehmen. Außerdem wird Luftunterstützung angefordert. Auf der Straße Kerspleben–Töttleben aufgefahrene M-7 Haubitzen eröffnen das Feuer, während P-47 ‚Thunderbolt‘-Jagdbomber des XIX. Tactical Air Command (19. Taktisches Luftkommando) die Fahrzeuge angreifen, die teilweise noch versuchen, in Richtung Großmölsen zu entkommen. Parallel hierzu werden die Co. C 37th Tk Bn [das 37. Tank Batallion / Panzerbataillon] und die Co. B 10th AIB [das 10. Armored Infantry Batallion / Panzerinfanteriebataillon], die sich im hinteren Teil der Kolonne des CCB befinden, alarmiert. Diese halten an und schwenken jetzt auf Kleinmölsen ein. Nachdem die Jagdbomber und die Artillerie ihr Werk beendet haben, rücken die Panzer und Panzerinfanteristen entlang der Straße und über die Felder auf den Ort vor.

Als sie ohne Gegenwehr in den Ort einrücken, stoßen sie auf sechs PzKpfw III und IV [Panzerkampfwagen] und zwei Zugmaschinen mit Pak [Panzerabwehrkanonen]. Zwei werden am östlichen Ortsausgang, eines am westlichen Ortsrand und zwei auf der Vieselbacher Straße zwischen Mühlgraben und Linderbach gefunden. Ein Fahrzeug war auf seiner Flucht zwischen Klein- und Großmölsen in der Gramme steckengeblieben. … Ein Fahrzeug wird auf der Flucht Richtung Udestedt zirka 150 bis 200 Meter nördlich des Dorfes von Jagdbombern angegriffen und zerstört.

Im Resultat jenes sinnlosen Gefechts werden im Ort mehrere Scheunen zerstört, mehrere Wohnhäuser und die Kirche werden beschädigt. Dennoch hat der Ort Glück im Unglück, denn niemand kommt zu Schaden, auch keine deutschen Soldaten.“

Über den deutschen Soldaten Paul Warzel wurde in diesem Zusammenhang bereits ausführlich berichtet, denn er versteckte seine Brieftasche und seine Erkennungsmarke unmittelbar vor der Gefangennahme in den Dachsparren eines 1902 als Spritzenhaus erbauten Häuschens in der Brauhausstraße (Abriss 2005). Heute befindet sie sich in der Heimatstube, während alle Bemühungen um die Ermittlung von Angehörigen bisher ins Leere liefen. Über die Zerstörungen und Kriegshinterlassenschaften in Kleinmölsen wird noch berichtet.

Kleinmölsen in den US-Kriegstagebüchern

In der Bibliothek der United States Army Armor School in Fort Knox (Kentucky) sind die After Action Reports (Kriegstagebücher) der 4th Armored Division archiviert – eine von mehreren wichtigen Quellen zur Klärung der Abläufe des 11. April in Kleinmölsen. Der hier interessierende Eintrag lautet: „ … Bei Kleinmolsen wurde eine Gruppe von feindlichen Panzern entdeckt und C/37 und B/10 positionierten sich, um der Gruppe zu begegnen. Mit Hilfe der Luftunterstützung wurden 6 Panzer zerstört und die Verbliebenen waren gezwungen sich zurückzuziehen. Der Rest der Gruppe zog weiter und teilte sich bei Ottstedt in zwei Einsatzgruppen. …“ (Originaltext: „ … At Kleinmolsen a group of enemy tanks was spotted and C/37 and B/10 went into position to meet the group. With the aid of the air support, six tanks were destroyed an the remainder were forced to withdraw. The rest of the force continued to move and at Ottstedt split into two task forces. …“).

Ein weiterer Eintrag zu Kleinmölsen ist in der G2-Meldung des 319th Infanterie-Regiments/XX. US-Corps vom Abend des 11. April enthalten. Hier heißt es schlicht: „2 feindliche Panzer in J378749“ und  „6 feindliche Panzer zerstört in der Nähe von J378750.“ („2 enemy Tks at J378749“ / „6 enemy Tks destroyed vic J378750.“), wobei die Ortsangabe Kleinmölsen hier durch ein spezifisches Koordinatensystem verschlüsselt und deshalb für Laien gar nicht erkennbar ist. (Fortsetzung folgt)

Frank Störzner

 

Kriegsende-05
Südlicher Ortsrand mit dem Mühlengrundstück links (Mühlgasse 15 / Abriss 1999) und US-Thunderbolt-Jagdbomber P-47 über dem Ort.
 
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Vermutlich Blick in Richtung Großmölsen: Panzer des CCB feuern auf fliehende deutsche Fahrzeuge (im Hintergrund).
 
Kriegsende-07
Die Panzer mit aufgesessener Infanterie in der Udestedter Straße, links das Haus Franke (Nr. 37), rechts Scheune Ketschau und Gaststätte.
 
Kriegsende-08
Die Panzer mit aufgesessener Infanterie am nördlichen Ortsrand (etwa in Höhe der Lagerhalle der Agrargenossenschaft).
 

Fotos: Tec 4 Walter E. Cummings, 166th Signal Photo Co., National Archives Washington.

Repros und Zitatstellen: Jürgen Möller, Panzerkeile auf der Thüringer Autobahn. Bad Langensalza: Verlag Rockstuhl 2017.

Kleinmölsen unter Beschuss (Teil I)
Neue Erkenntnisse und Fotos vom Kriegsende 1945 im Dorf

Der 11. April 1945 war ein Mittwoch, dem auch die Einwohner von Kleinmölsen in banger Erwartung und Unruhe entgegen sahen. Der immer stärker zu vernehmende Geschützdonner kündigte die näher rückende Front an. Die Truppen der Dritten US-Armee unter General George S. Patton (1885-1945) hatten am 1. April die Werra überquert und erreichten am Abend des 11. April die Saale. Wenige Stunden vorher war es an diesem Tag beim Vormarsch in Kleinmölsen zu einer überaus kritischen Situation gekommen, die dem Ort und seinen Bewohnern schnell zum Verhängnis hätte werden können. Diesem Zwischenfall ist es zu „verdanken“, dass es Text- und sogar Filmmaterial über das Kriegsende in Kleinmölsen gibt.
Das sogenannte Dritte Reich, das aus Sicht der nationalsozialistischen Machthaber eigentlich ein ewiges, tausendjähriges werden sollte, lag nach 12 langen Jahren in seinen letzten Zügen und ging in Blut, Schutt und Asche unter. Der „Irrweg einer Nation“ (Alexander Abusch) hatte in einen verbrecherischen Krieg geführt, der – 1939 von Deutschland gegen seine Nachbarn begonnen – nun mit voller Wucht hierher zurück gekehrt war.

Die neuen Bild- und Textquellen
Bereits seit einigen Jahren ist bekannt, dass die Kleinmölsener Ereignisse des 11. April 1945 im Nationalarchiv der USA (National Archives and Records Administration Washington D. C.) und in der Library der Armor Center School, Fort Knox in Kentucky, gut dokumentiert sind. Sogar eine Filmsequenz ist erhalten geblieben und bestätigt die bisher bekannten Einträge in der Ortschronik (zeitnah notiert von Pfarrer Gerhard Bley), die Zeitzeugenberichte von Gerald Franke, Erhardt Graf, Werner Ketschau und weiteren Einwohnern sowie die in der Heimatstube verwahrten Sachzeugen. Nie wird der Autor den Augenblick vergessen, als im Jahre 2006 Werner Ketschau (1925-2007) dieser Film vorgeführt wurde, er darin auch sein Haus erkannte und alle seine aufgeschriebenen Erinnerungen bestätigt sah – mit Tränen in den Augen angesichts dieser plötzlich wieder hochgespülten dramatischen Augenblicke vor 61 Jahren. Mit 17 Jahren zur Wehrmacht eingezogen, wurde er in Ostpreußen verwundet und war seit Jahresbeginn 1945 auf Genesungsurlaub. Weil er nicht die Absicht hatte, zur Front zurück zu kehren, schlug sich Werner auf riskanten Wegen nach Kleinmölsen durch und versteckte sich auf dem väterlichen Hof. Hier erlebte er die Befreiung am 11. April 1945 hautnah, denn in der Hofeinfahrt parkte ein Schützenpanzerwagen.
Angesichts des ortsgeschichtlich bedeutsamen Sensationsfundes tut sich die Frage nach dem Grund der bisher geübten publizistischen Zurückhaltung auf. Sie war dem Umstand geschuldet, dass erst die fachkundige Auswertung und Einordnung der neu bekannt gewordenen Quellen durch den Militärhistoriker Jürgen Möller abgewartet werden wollte. Er ist der ausgewiesene Kenner dieses Themas und Autor der Buchreihe „Das Kriegsende in Mitteldeutschland 1945“, die seit 2010 im Verlag Rockstuhl (Bad Langensalza) erscheint. In deren Band 9 und noch ausführlicher im jüngst erschienenen Band 10 werden die Kleinmölsener Ereignisse erstmals minutiös beschrieben und in die militärischen Zusammenhänge und Truppenbewegungen jenes Tages eingeordnet. Dazu gehörte auch die vollumfängliche Auswertung der Kriegstagebücher/After Action Reports der im April 1945 hier operierenden Einheiten. Dass die Ortsangabe „Kleinmölsen“ mitunter auch als Koordinatenangabe verschlüsselt ist, deutet die Schwierigkeiten einer Ablaufrekonstruktion an. Die nachfolgend geschilderten Details, die aus der kundigen Zusammenführung dieser historischen Quellen und der Erinnerungsberichte fußen, sind den Büchern von Jürgen Möller entnommen. Für die freundlich gewährte Erlaubnis wörtlicher Übernahmen ist dem Autor ausdrücklich zu danken.

Die erste Besetzung von Kleinmölsen am 11. April 1945
Nach einem taktisch begründeten Zwischenstopp im Raum Gotha hatte am Vortag die entscheidende Etappe zur Eroberung Mittelthüringens durch die US-Truppen begonnen. Unter nördlicher Umgehung der Städte Erfurt, Weimar und Jena begannen die Infanteriedivisionen des XX. US-Corps der 3rd US Army ihre Offensive nach Osten, unterstützt durch die Panzer der 4th und 6th US Armored (Panzer-)Divisionen. Um zügig voran zu kommen, sollten örtliche Widerstandsnester entweder sofort zerschlagen/überrannt oder aber umgangen und den nachrückenden Verbänden überlassen werden.
Das Combat Command B (CCB / Kampfverband B der 4. Panzerdivision) unter dem Kommando von Lt. Col. (Oberstleutnant) Creighton W. Abrams rückte am späten Vormittag des 11. April von Gispersleben her über den Roten Berg und den Stollberg in Richtung Kerspleben vor. In Höhe des heutigen Gewerbegebietes kam es zu einem kurzen Feuergefecht, wobei die Panzer den Ort ohne anzuhalten beschossen. „Ohne weiteren Widerstand geht es durch das Dorf nach Töttleben. Dann erreichen sie die Straßenkreuzung südlich von Kleinmölsen, wo sich eine Gruppe aus zwei Panzern und einem Schützenpanzer aus der Kolonne löst und in den Ort fährt. ‚In Ortsmitte [vor dem Gehöft der Familie Ketschau / Brauhausstraße 50 – Stö.] postierten sich zwei Panzer entgegengesetzt, also mit dem Geschützrohr nach Norden (Richtung Udestedt) und Süden (Richtung Kreuzung Vieselbach). Ein SPW stellte sich mitten in die Einfahrt zum Gehöft, neben den Panzern. Weil alles ruhig war, fuhren sie wenig später weiter in Richtung Süden (also zur Kreuzung zurück).‘“ Mit dem SPW (Schützenpanzerwagen) meinte der Zeitzeuge ein gepanzertes Begleitfahrzeug mit 3-4 Insassen.
Während die drei Fahrzeuge dieser Aufklärungskräfte mitten im Ort standen und ihn vermutlich als ruhig und „feindfrei“ meldeten, hatten die Spitzen der weiterfahrenden Kolonne schon Ottstedt a. B. erreicht und mit der Erkundung der weiteren möglichen Vormarschstrecken begonnen. Dabei kam es zu einem ersten Kontakt mit dem KZ Buchenwald, wo zwischen 11.00 und 11.30 Uhr Panzeralarm ausgelöst wurde.

Sicher hatten die Einwohner von Kleinmölsen gehofft, dass mit der kampf- und widerstandslosen Besetzung ihres Ortes der Krieg für sie jetzt vorbei sei. Die nun reale Ankunft der US-Truppen im Ort löste eine Mischung aus Angst, Neugier, aber auch Erleichterung aus. Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch niemand, dass es kurz danach in Kleinmölsen doch noch zu einem Kampfeinsatz mit Bombardierung und Zerstörungen kommen würde: Kaum hatten die drei US-Fahrzeuge den Ort wieder verlassen und waren in die Kolonne auf der Straße nach Großmölsen eingeschert, näherte sich von Nordwesten her über den Gottesrain eine kleine Gruppe von deutschen Panzern und Panzerabwehrkanonen mit ihren Zugmaschinen. Der Erinnerung nach geschah das etwa zwischen 11.00 und 12.00 Uhr und löste im Ort große Besorgnis aus. Immerhin hatte Thüringens Gauleiter, Reichsstatthalter und Verteidigungskommissar Fritz Sauckel noch am Tag zuvor in der Thüringer Gauzeitung „soldatische Treuepflicht gegenüber dem Führer“ und die Vernichtung des Feindes eingefordert. Dass Sauckel da schon längst auf der Flucht war, konnte hier noch niemand wissen. (Fortsetzung folgt)
Frank Störzner
 
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Blick von Töttleben nach Kleinmölsen. Die Panzer des CCB auf der Straße warten ab, während Jagdbomber den Ort angreifen.

Kriegsende-02
Blick von Töttleben nach Kleinmölsen. Die Panzer des CCB auf der Straße warten ab, während Jagdbomber den Ort angreifen.

Kriegsende-03
Blick von Töttleben nach Kleinmölsen. Die Panzer des CCB auf der Straße warten ab, während Jagdbomber den Ort angreifen.

Kriegsende-04
Panzer am Anfang der Udestedter Straße, zwischen Kirchplatz 29 (Glaaß) und Brauhausstraße 50.

Zweimal verlor Kleinmölsen im 20. Jh. Glocken für Kriegszwecke

Es wird Pfarrer Kunze schwer gefallen sein, als er am 8. Februar 1942 ein Schreiben an „Frau Pfarrer Sturm“ in Kleinmölsen formulierte, um dann gleich sachlich-nüchtern das Unvermeidliche mitzuteilen: „Ich halte es für meine Pflicht, Ihnen … davon Kenntnis zu geben, daß die von Ihnen und Ihrem Herrn Sohn … gestifteten Glocken vom Reich beschlagnahmt sind. … Die Kirchgemeinde Kleinmölsen bedauert sehr den Verlust der beiden Glocken und hofft, daß es nicht notwendig wird, die Glocken einzuschmelzen, und daß sie nach Kriegsschluß die … Glocken zurück erhält.“ Diese vage Hoffnung erfüllte sich jedoch nicht, obwohl Gerhard Bley ab 1946 sofort alle möglichen Bemühungen aufnahm und auch Anfragen an „Glockenfriedhöfe“ richtete. Die beiden Glocken hatten jedoch das Schicksal von über 2.500 weiteren Glocken in Thüringen erlitten: sie wurden als „kriegswichtiges Material“ für den riesigen Metallbedarf der deutschen Rüstungsindustrie eingeschmolzen. Ihre Abnahme vom Turm und Übergabe an die „Reichsstelle für Metalle“ war bereits am 2. Februar 1942 erfolgt.
Dabei hingen diese beiden Bronzeglocken gerade einmal seit 13 Jahren auf dem Turm und sollten eigentlich eine bleibende, lange Zeiten überdauernde Zuwendung der Familie Sturm an die Gemeinde Kleinmölsen sein. Die Witwe des letzten Kleinmölsener Pfarrers Wilhelm Sturm, Anna Sturm, hatte sie erst 1928 gestiftet, denn bereits 1917, im Ersten Weltkrieg, waren zwei Glocken der Ablieferungspflicht zugunsten des „Reichsmilitärfiskus“ zum Opfer gefallen und ihre Plätze im Glockenstuhl seitdem leer. Die aus Udestedt stammende Anna Sturm (1873-1955) widmete die neuen Glocken inschriftlich ihrem kurz vorher verstorbenen Mann Wilhelm und dem Andenken an ihre schon 10 Jahre vorher verstorbene Tochter Elisabeth Sturm (1893-1918). Die Stiftungen und die Auftragserteilung erfolgten durch Anna Sturm, während in den Inschriften beider Glocken auch ihr Sohn Hans Sturm als (Mit-)Stifter genannt war. Dessen Schwester Elisabeth Sturm war am 7. November 1918 „nach hartem Ringen im blühenden Alter von 25 Jahren“ verstorben. Die am 17. März 1929 geweihten Glocken wogen ca. 360 kg bzw. 180 kg, ihr Durchmesser betrug 85 cm bzw. 67 cm und ihr Klang sollte lt. Vertrag auf die Töne b‘2 bzw. d‘2 gestimmt sein – eine passende Ergänzung des Geläutes zu der seinerzeit noch intakten alten Ziegler-Glocke von 1509.
Eine der beiden Lücken (Glocke III / Taufglocke) konnte 1954/55 durch Restmetall der gesprungenen und umgegossenen „großen“ Glocke von 1509 (Glocke I / Betglocke) geschlossen werden. Die letzte Lücke schloss sich erst 1969 durch eine Stiftung der Schwiegertochter des Pfarrer-Ehepaares Sturm, Hildegard Sturm (1896-1977). Damit wollte sie ihre Verbundenheit zu Kleinmölsen zeigen. Nur der eher unauffällige Hinweis in der Inschrift „ERNEUT GESTIFTET“ deutet das Schicksal der 1928 von der Familie gestifteten und 1942 missbrauchten Glocken an.
Die Weihe der jüngsten Kleinmölsener Glocke (Glocke II / Zeichenglocke) fand am 12. Oktober 1969 statt und endete mit einer großen Kaffeetafel im ehemaligen Pfarrhaus (Kirchplatz 12), wo Frau Sturm für die Übernahme aller Kosten gedankt wurde. Das segensreiche Wirken der Familie Sturm, von 1888 bis 1930 in Kleinmölsen ansässig, fand damit seinen Abschluss. Das Familiengrab auf dem Friedhof, wo Hildegard Sturm am 7. Januar 1978 ihre letzte Ruhe fand, ist bis heute erhalten, hat aber freilich seine einstige Ausstrahlung inzwischen eingebüßt.
Frank Störzner

Werkfotos vor der Auslieferung, Januar 1929
(Glockengießerei Franz Schilling Söhne / Pfarrarchiv Kerspleben)
Es sind die einzigen Abbildungen der beiden Glocken.


Alle Kinder warten sehnsüchtig auf Schnee, denn Schlittenfahren, Schneeballschlacht und Schneemannbauen machen doch riesig Spaß. Bisher hatten wir kein Glück mit diesen Winterfreuden.
Frau Biener hatte dazu eine Idee und gestaltete einen großen Schneemann in unserem Weidenbogen. Danke dafür. Vielleicht lockt der Schneemann Frau Holle, dass sie die Betten jetzt auch über Kleinmölsen ausschüttelt.

Bürgermeisterin Monika Poppitz
Foto: Frank Störzner


Leuchtende Farben für die Kirche

Kleinmölsens Landfrauen haben „ihre“ Kirche um einen Blickfang reicher gemacht: Beim Erntedank-Gottesdienst am 2. Oktober übergaben sie der Kirchgemeinde ein neues, in liebevoller Handarbeit gefertigtes Antependium. Damit bezeichnet man den textilen Behang, der die Stirnseite des Altartisches schmückt und im Laufe des Kirchenjahres und entsprechend der kirchlichen Feiertage mehrfach ausgewechselt wird. Ein Antependium ist mit seinen leuchtenden Farben und seiner künstlerischen Gestaltung auch ein schöner, voll Symbolik steckender Schmuck des Kirchenraumes.
Das trifft auch auf das neue Antependium für die Kleinmölsener Kirche zu. Mit seiner Grundfarbe GRÜN ist es künftig die längste Zeit des Kirchenjahres (in der Trinitatiszeit zwischen Pfingsten und Ewigkeits-Sonntag sowie in der Epiphaniaszeit zwischen Weihnachten und Passionszeit vor Ostern) in Gebrauch; ebenso natürlich die identische, kleinere Ausführung für das Lesepult.
Unter der Leitung von Edelgard Wiegand haben Hedwig Biener, Angela Burkhardt, Susann Fischer, Eleonore Hänsel, Eva Maria Keil, Ellen Martin, Monika Poppitz, Ute Reichardt, Sybille Schmalfuß, Elke Selle und Birgit Wybranietz fast 2 Jahre an den 400 Einzelteilen in 5 x 5 cm Größe gearbeitet, die dann zum Antependium zusammen gefügt wurden. Zuvor mussten natürlich Farbigkeit und Symbolik festgelegt werden, damit zum Schluss alles zueinander passte. Und das Schöne an dem Symbol ist, dass man es unterschiedlich deuten kann: als strahlendes Licht, das hell aus einer dunklen Schale empor strebt, als Schiff oder als erwachendes Leben aus einem Samenkorn – christliche Symbolik spricht mitunter Grundgedanken aus und regt zu eigener Interpretation an.
Schon 2003/04 haben die Kleinmölsener Landfrauen ein Antependium geschaffen, das mit seiner Grundfarbe WEISS den Hohen Feiertagen wie Ostern und Weihnachten vorbehalten ist. Anlass war seinerzeit das 400-jährige Baujubiläum der Kirche. Für diese Bereicherungen unserer Kirche gilt allen Beteiligten ein HERZLICHES DANKESCHÖN!

Text und Fotos: Frank Störzner

kirmes2010

Auf dieses Kommando von Burschenvater Michael Baumbach setzte sich der Zug von 16 Kirmes-Pärchen und der Musikkapelle in Bewegung. Gerade einmal für diese 20 Minuten des Umzuges durch den Ort mit dem traditionellen Tanz auf der Kreuzung hatte Petrus am Sonnabend ein Einsehen mit der Kleinmölsener Kirmes. Und während in anderen Orten manche Veranstaltung buchstäblich ins Wasser fiel (die TA berichtete darüber am Montag), wurde der Abend auf dem gut gefüllten Saal wieder sehr schön. Die Zeit bis zur Beerdigung verging wie im Fluge, obwohl sich mancher Gast ein wenig mehr klassische Kirmes- und Tanzmusik von „Dynamic“ aus Stadtilm gewünscht hätte. Diese gab es dafür reichlich bei den sonnabendlich-traditionellen Ständchen der Kirmesgesellschaft vor jedem Haus im Ort. Die „Neumarker“ mit Rainer Baumbach erfreuten mit frischen Klängen sowohl Einwohnerschaft als auch unsere Kirmesmädchen und -burschen. Schön, dass auch immer wieder Kinder mitlaufen und ihren Spaß dabei haben – sind sie doch die späteren Aktiven!
Getreu dem vielseitig anwendbaren Motto: „Nach der Kirmes ist vor der Kirmes“ blickte Burschenvater Michael bei der Kirmes-Beerdigung auf das Jahr 2010 voraus: da findet die 10.Kleinmölsener Kirmes nach der Neubelebung statt. Dieses Jubiläum soll gebührend gefeiert werden. Angedacht ist bisher beispielsweise eine (Foto-)Ausstellung im Bürgerhaus, wo auch die historische Entwicklung des alten Kirchweihfestes seit der ersten Erwähnung 1706 nicht zu kurz kommen soll. Dazu werden noch alte Requisiten, z. B. Burschenmützen, als Leihgaben dringend gesucht, aber auch nach wie vor Fotos von Kirm’sen aus der Zeit vor 2001.
Frank Störzner

12

Vom 9. bis 11. Mai 2008 feierte Kleinmölsen seine Freiwillige Feuerwehr. Dass die 125-Jahr-Feier so rundum gelingen würde, hatte nach den vorangegangenen, mit den Vorbereitungen ausgefüllten Tagen kaum jemand fest glauben wollen. Die pünktliche Auslieferung des neuen Löschfahrzeuges stand zeitweilig in Frage, im umgebauten Gerätehaus waren noch etliche letzte Handgriffe nötig, einer der wichtigsten Feuerwehrleute wurde krank und das Wetter war ja ohnehin nicht planbar…
Doch alles wurde gut und die Kleinmölsener haben (wieder einmal) bewiesen, dass sie mit Gemeinschaftssinn und Engagement etwas Großartiges zustande bringen können. Beim Festvortrag am Eröffnungsabend illustrierten genau 150 Lichtbilder die Geschichte des Kleinmölsener Feuerlöschwesens von den Anfängen über die Feuerwehr-Gründung 1883 bis in unsere Tage. Auf den 110 Seiten vom „Kleinmölsener Feuerwehrbuch” ist alles niedergeschrieben und festgehalten. Es gibt in Thüringen keinen Ort vergleichbarer Größe, der seiner Feuerwehr eine derart hochwertige Publikation widmete.
Der Festumzug am Sonnabend begann pünktlich um 10.45 Uhr. Es war eine sehenswerte Technikschau mit den Gast-Feuerwehren und des Technischen Hilfswerkes. Vor dem Gerätehaus erfolgten dann die Ansprachen und Grußworte von Vertretern der Nachbarwehren, Nachbarorte, Feuerwehrverband, Landratsamt und Politik. Pfarrer Arndt Bräutigam aus Kerspleben weihte Gerätehaus und Löschfahrzeug ein. Die großen Tageszeitungen TA und TLZ berichteten am Montag und Dienstag vorteilhaft über das Kleinmölsener Ereignis vom Wochenende. Mit dem neuen Löschfahrzeug, dem umgebauten Gerätehaus, der Chronik in Buchform, der Fahne und den zwei Fässern Bier sei die Freiwillige Feuerwehr zum Geburtstag reich beschenkt worden.

Frank Störzner

Zeittafel

(Kleinmölsener Kirchengeschichte im Überblick)

kirchenlogo

876   – Erste sichere Erwähnung des Ortes als ‚Mulinhus‘

1500 – Baubeginn des Kirchturmes

1505 – Johannes Gans in Niederzimmern ist der erste namentlich bekannte Pfarrer Kleinmölsens

1509 – Guss der Glocke I durch Heinrich Ziegler aus Erfurt (Umguss 1954)

1604 – Neubau des Kirchenschiffes mit dem dreiseitigen Chorpolygon

1636 – Kelch von Ulrich Mockwitz

1640 – Beginn der Kirchenbücher

1649 – Guss der Uhrglocke

1719 – Einbau des heutigen Kanzelaltares durch einen Eisenacher Bildhauer

1737 – Kleinmölsen wird Pfarrort; erster Pfarrer wird J.B. Saltzmann

1813 – Außergewöhnlich reicher Kelch von J. C. E. Reuter gestiftet

1838 – Ältester Siegellack-Abdruck des Kirchensiegels mit St. Burkhard

1846 – Umfangreiche Bauarbeiten / Verlegung der Eingänge in Saal und Turm / Neubau Nordwand

1923 – Erweiterung der Pfarrstelle Kleinmölsen um Töttleben

1924 – Mit dem krankheitsbedingten Ausscheiden von Pfarrer W. Sturm wird die Pfarrstelle aufgelöst. Seither zu Kerspleben gehörig.

1955 – Jetzige Turmuhr eingebaut

1969 – Guss von Glocke III aus dem Restmetall von Glocke I, Glocke II von H. Sturm gestiftet

2001 – Wiedereinweihung der seit 1988 umfassend renovierten Kirche Übernahme des neuen Gemeinderaumes im Bürgerhaus

 

Gestaltung: Frank Störzner • Reproduktion: LITHO Erfurt • Druck: Schöpfel, Weimar

Wasser ist Leben

Aus der Geschichte der Trinkwasserversorgung von Kleinmölsen (Teil l)

Die Versorgung mit Trinkwasser ist eine wesentliche Aufgabe der kom­munalen Daseinsvorsorge. In den städtischen Ballungszentren wurde sie bereits um 1900 als Selbstverständlichkeit der modernen Zeit angesehen, während es im dörflichen Bereich oft bis an die Schwelle zur Gegenwart dauerte, bevor alle Häuser mit sauberem Trinkwasser versorgt werden konnten. Auch in Kleinmölsen war es ein langer Weg dahin, und ohne die Tatkraft und Beharrlichkeit seiner Bewohner vor nunmehr 23 Jahren hät­te es noch länger gedauert. Dass für diese Eigeninitiative jetzt nachträg­lich horrende “Anschlussgebühren“ von einer erst seit kurzem existieren­den Behörde eingefordert werden, ist eine soziale Ungerechtigkeit, die in einem der Demokratie verpflichteten Rechtsstaat eigentlich undenkbar sein sollte. Auch aus diesem Grund lohnt sich eine Rückschau, wie sich die Wasserversorgung in Kleinmölsen von ihren Anfängen heraus bis zur Ge­genwart entwickelt hat.

Die Anfänge

Die hydrologischen Verhältnisse haben es den Kleinmölsenern zu keiner Zeit leicht gemacht. Schwerer, nur wenig wasserdurchlässiger Auelehm-Untergrund und sowohl bakteriell als auch chemisch belastetes, salpeter-haltiges, “angreifendes“ Grundwasser ließ aus den Brunnen kein unbe­denklich genießbares Trinkwasser gewinnen. In der Frühzeit des Ortes hatte jedes Gehöft seinen eigenen Brunnen, und darüber hinaus gab es öf­fentliche, von jedermann zusätzlich benutzbare Brunnen, deren Pflege der Gemeinde oblag. Es sind dieselben Brunnen, die heute noch vor der Schu­le (Kirchplatz 28) und vor dem Backhaus (heute Bürgerhaus) existieren: er-sterer ist der sog. “Kirchborn“ (später: Schulbrunnen), der andere der “Ge-meindeborn“. Erwähnt werden sie erstmals in den Gemeinderechnungen von 1717 bzw. 1726, als sie für 5 bzw. 6 Groschen “gefeget“, d. h. ge­säubert wurden. 1729 gab die Gemeinde 1 Groschen aus, um das “Gestelle am Kirchbrunn“ auszubessern, 1739 zwei Groschen “vor einen Haken an den Gemeinen Brunnen“. Derartige kurze Hinweise finden sich in den Aus­gabenteilen der Gemeinderechnungen immer wieder.

Der Kochbrunnen

Dieses in der Ortslage geschöpfte Wasser ist allerdings gesundheitlich nicht unbedenklich gewesen; von heutigen Anforderungen ganz zu schwei­gen. Eine merkliche Verbesserung trat erst 1904 ein, als in einer Kies­grube etwa 150 m südlich der Kreuzung eine Quelle entdeckt wurde, de­ren Wasser deutlich sauberer war als das der Brunnen in der Ortslage und sogar ohne Abkochen genutzt werden konnte. “Möge der schöne Quell nie wieder versiechen, sondern ungezählte Kinder und Kindeskinder mit köstlichem Wasser versorgen“, schrieb begeistert der Chronist, der die Quelle als “Wohltat für unsern Ort“ bezeichnete. Und er irrte nicht – fast acht Jahrzehnte, bis 1980 (!), sollte das seinerzeit entdeckte Wasservor­kommen die einzige Möglichkeit zum Bezug von Trinkwasser in Klein­mölsen bleiben!

Die Trinkwassersituation Kleinmölsens kam 1911 wieder ins Gespräch, als die Quelle durch die große Trockenheit fast versiegte. Unmittelbar ne­ben der Quelle sollte “auf Wunsch vieler Ortsbürger“ ein tieferer Brunnen geschachtet werden; den Zuschlag dafür erhielt ein Oswald Vogler aus Kerspleben, der mit seinem Gebot von 32,25 Mark deutlich unter dem Vie-selbacher Mitbewerber lag. Dieser Brunnen, der sog. “Kochbrunnen“, be-findet sich 20 m südlich der ehemaligen Kiesgrube und ist – wie auch das Loch der Kiesgrube mit der Quelle – im Gelände noch heute gut sichtbar.

Großmölsen hat eine Wasserleitung – und Kleinmölsen?

1912 begann Großmölsen mit dem Bau einer Wasserleitung (mit Haus­wasserversorgung), die seinerzeit die modernste in der ganzen Umge­bung war. Dazu entstand auf der Höhe der “Schanze“ ein Hochbehälter, der vom Wasser des 1 km entfernten Triftborn nördlich des Ortes gespeist wurde. Das Pumpen des Wassers von dort zum Hochbehälter erfolgte mit Hilfe einer 1913 erbauten Windturbine, die bis 1953 in Betrieb war und deren Fundamentreste noch heute vorhanden sind. Ein anonymer Artikel in der Weimarischen Zeitung im September 1913 lässt auf neidvolle Blicke aus Kleinmölsen schließen:

“Hierorts macht sich das Fehlen einer guten Wasserleitung recht unan­genehm fühlbar. Die Ortsbrunnen bergen stark salpeterhaltiges Wasser, das nur zum Waschen und zum Tränken des Viehbestandes verwendet wer­den kann. Das Wasser zum Kochen entnehmen wir einem im Felde nach Vieselbach zu angelegten Brunnen, dessen Wasser ganz vorzüglich ist…. Das Herbeischaffen des Wassers zu den Hofraiten ist eben so umständ­lich wie zeitraubend.“

Zudem hatte der Landbaumeister Rebling am 12. Dezember 1913 die Wasserleitung von Großmölsen überprüft. Das Ergebnis fiel so günstig aus, dass er den Anschluss weiterer Gemeinden an den Großmölsener Hochbehälter empfahl. Die kommunale Aufsichtsbehörde verlangte dar­aufhin am 16. Dezember vom Gemeindevorstand Kleinmölsen eine ent­sprechende Stellungnahme. Der Gemeinderat und Bürgermeister Karl Focke traten am 3.1.1914 zusammen und trafen eine kurzsichtige und für den Ort auf Jahrzehnte nachteilige Entscheidung: die einstimmige Ableh­nung des Vorschlages. “Was brauchen wir eine so teuere Wasserleitung?“, meinte der damalige Gemeinderat. Die Entscheidung erscheint aus heu­tiger Sicht umso unverständlicher, als Bürgermeister Karl Focke – Amtszeit 1885 – 1921 – ein tüchtiger Praktiker war, der im Ort vieles anpackte und auf den Weg brachte.

Also blieb den Kleinmölsenern nur der tägliche Gang zum Kochbrunnen, meist von den Frauen oder den Kindern und Alten erledigt, um das Was­ser zur Nahrungszubereitung in Bottichen heranzuschaffen – ein Zustand, der noch bis tief in die DDR-Zeit hineinreichen sollte. (Fortsetzung folgt)

 

Frank Störzner, Kleinmölsen

05.02.2003

Auszug aus dem Amtsblatt der Verwaltungsgemeinschaft

GRAMME-AUE 20.02.2003